Edith Stein: Realpräsenz – Opfer – Kommunion

Eucharistisch leben heißt, die eucharistischen Wahrheiten praktisch wirksam werden lassen. Es sind im wesentlichen drei einfache Glaubenssätze, um die es sich dabei handelt: 1. Der Heiland ist gegenwärtig im Allerheiligsten Sakrament. 2. Er erneuert täglich sein Kreuzesopfer auf dem Altar. 3. Er will jede einzelne Seele sich aufs innigste verbinden in der heiligen Kommunion.

Wir fragen zunächst: 1. Was verlangen die eucharistischen Wahrheiten von uns?

Des Heilands Wonne ist es, unter den Menschenkindern zu sein, und er hat versprochen, bei uns zu sein bis ans Ende der Welt. Er hat dies Versprechen wahr gemacht durch seine sakramentale Gegenwart auf den Altären. Hier wartet er auf uns, und man sollte meinen, dass die Menschen sich drängen müssten zu den geweihten Stätten. Der schlichte Sinn dieser Glaubenswahrheit verlangt es, dass wir hier unsere Heimat haben müssten, uns von hier nur entfernten, soweit unsere Aufgaben es verlangten, und diese Aufgaben sollten wir täglich aus den Händen des eucharistischen Heilands entgegennehmen und das vollbrachte Tagewerk in seine Hände zurücklegen.
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Dogma und Spiritualität, 1: Christus ist die Wahrheit. Die dogmatischen Bücher

Maria-Eugen Grialou Ich will Gott schauen

Maria-Eugen Grialou wurde 1894 in Le Gua (Frankreich) geboren und trat nach seiner Priesterweihe in den Orden des Karmel ein, wo er bald bedeutende Ämter übernahm. Durch seine Schriften und Vorträge wurde er über Frankreich hinaus bekannt. Er starb im Jahre 1967. Sein Seligsprechungsprozess wurde 1985 eröffnet.

Christus ist die Wahrheit
– Die dogmatischen Bücher –

Von Marie-Eugène Grialou

Als der Diakon Philippus den Kämmerer der Königin von Äthiopien fragte, ob er den Abschnitt der Schrift, den er gerade lese, denn auch verstehe, antwortete dieser: „Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?“1

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1. Apg 8,31.

Die  Heilige Schrift bedarf der Auslegung, so daß die Botschaft von Christus deutlich daraus hervorgeht. Dies ist Aufgabe der Theologie. Sie analysiert und wägt ab, koordiniert und lehrt die offenbarten Wahrheiten.

Das unfehlbare Lehramt der Kirche definiert die wichtigsten Glaubenswahrheiten und stellt sie uns als für den Glauben verbindlich vor; der Theologe hingegen widmet sich der Forschung, um uns neue Einsichten in das Mysterium der Offenbarung zu schenken und sie präzise zu formulieren. Definierte Dogmen und theologisch begründete Aussagen fassen das Licht des Göttlichen Wortes in menschliche, abbildhafte Begriffe. Wenn wir diesen zustimmen, steigt unser Glaube bis zum Göttlichen Wort selbst auf und erreicht es. Wir haben bereits von der Notwendigkeit gesprochen, sich an die Glaubensformulierungen zu halten und sich mit der Wahrheit zu befassen, insbesondere am Anfang des geistlichen Lebens. Darum mögen ein paar Hinweise auf das rechte Studium genügen, so daß es dem inneren Gebet nützt.

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