Edith Stein: Realpräsenz – Opfer – Kommunion

Eucharistisch leben heißt, die eucharistischen Wahrheiten praktisch wirksam werden lassen. Es sind im wesentlichen drei einfache Glaubenssätze, um die es sich dabei handelt: 1. Der Heiland ist gegenwärtig im Allerheiligsten Sakrament. 2. Er erneuert täglich sein Kreuzesopfer auf dem Altar. 3. Er will jede einzelne Seele sich aufs innigste verbinden in der heiligen Kommunion.

Wir fragen zunächst: 1. Was verlangen die eucharistischen Wahrheiten von uns?

Des Heilands Wonne ist es, unter den Menschenkindern zu sein, und er hat versprochen, bei uns zu sein bis ans Ende der Welt. Er hat dies Versprechen wahr gemacht durch seine sakramentale Gegenwart auf den Altären. Hier wartet er auf uns, und man sollte meinen, dass die Menschen sich drängen müssten zu den geweihten Stätten. Der schlichte Sinn dieser Glaubenswahrheit verlangt es, dass wir hier unsere Heimat haben müssten, uns von hier nur entfernten, soweit unsere Aufgaben es verlangten, und diese Aufgaben sollten wir täglich aus den Händen des eucharistischen Heilands entgegennehmen und das vollbrachte Tagewerk in seine Hände zurücklegen.
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Theresia von Avila: Keine Macht der Erde kann uns zu Herren machen

Was der Mensch hat, das hat ihm Gott aus Gnade gegeben, nicht aus Schuldigkeit. Darum wird keiner, der sich selber kennt, sich jemals schwer gegen Gott versündigen noch in Hochmut geraten wegen seines Adels oder seiner Vornehmheit oder seiner Stellung. Selbst wenn er die ganze Welt beherrschte, würde er sich als nichtig betrachten, denn er ist dem Tode verfallen wie die elendeste Kreatur. Und so vergehen auch die leeren Lüste der Welt und schwinden für ihn wie für andere; er kann sie nicht halten noch verhindern, daß Leben, Gesundheit und alles Irdische vorübereilt wie der Wind. Deshalb kann keine Macht, die wir auf dieser Erde haben, uns zu Herren machen. Denn wie sollte ich Macht nennen, was mir genommen werden kann und meiner Willkür nicht überlassen ist? Mir scheint, daß ich mich nicht Herr einer solchen Macht nennen noch dafür halten kann, sondern eher als ihren Nutznießer, und auch das nur für eine Zeitlang und nicht für immer, nur solange es unserem huldreichen Herrn gefällt. Wenn ihr mir aber sagtet: Hat denn der Mensch keinerlei Macht in diesem Leben?, so antworte ich euch: Ja, er hat die süßeste und schönste und stärkste, die es gibt: dies ist die Burg unserer Seele. Gibt es denn etwas Größeres und Erhabeneres als diese Stätte Gottes, der alles Gute in sich faßt und in dem Friede, Ruhe und jeglicher Trost sich findet?

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Zitiert nach: Alfons Heilmann, Meditationen großer Gottesfreunde, Perlen christlicher Mystik, Verlag Herder Freiburg i. Br. 1963, S. 44 f. – Imprimatur

Durch Maria zu Jesus. Lesung am Gedächtnis Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel (16. Juli)

Our Lady of Mt Carmel with Scapular

Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel, und Stern des Meeres. Bild: http://www.marypages.com

Michael vom hl. Augustin († 1684): Aus den „Mystischen Unterweisungen“

Ich möchte allen eine herzliche Verehrung, eine kindliche Liebe und ein zartes Empfinden zur lieben Mutter Gottes empfehlen. Dies ist ein einzigartiges und wirksames Mittel zu einem frommen Leben in Christus. Denn Maria wird ja als die „Mutter der Gnade und Mutter der Barmherzigkeit“ gegrüßt, und diese Gnade und Barmherzigkeit sind unbedingt zu einem frommen Leben notwendig. Dürfen wir deshalb nicht mit Recht unsere Zuflucht zur Mutter der Gnade und Barmherzigkeit nehmen, um Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen? Ich sage mit dem Apostel: „Laßt uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.“

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Die letzten Tage und das Sterben der heiligen Therese von Lisieux

Die hl. Theresia vom Kinde Jesu (von Lisieux) auf dem Sterbebett. Foto: commons.wikimedia.org

Gegen Ende September erzählten wir unserer Kranken einmal, daß in der Erholung die Rede gewesen sei von der Verantwortung jener, welchen die Leitung der Seelen anvertraut ist; da war es, als lebte sie etwas auf, und dann sprach sie die schönen, bedeutsamen Worte: „Die Kleinen werden mit großer Milde gerichtet werden.“ (Sap. 6, 7) Man kann ganz gut   k l e i n   bleiben, selbst wenn die schwerste Verantwortung auf einem ruht, denn es steht geschrieben: „Die Erde ward stille, als der  Herr kam, um Heil zu schaffen, allen Sanftmütigen und Demütigen auf Erden.“ (Ps 75, 9.) Der Herr spricht also nicht vom Gerichte, sondern vom Gerettetwerden.“

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Sonett an Christus den Gekreuzigten / Soneto a Cristo crucificado

Gekreuzigter Christus. Gemälde von Diego Velázquez um 1632, Öl auf Leinwand (Foto: wikimedia commons)

Sonett

Kein Himmel trieb mich, Gott, Dich so zu lieben,
Obwohl Du mir den Himmel fest verhießen,
Auch nicht von Höllenfurcht bin ich getrieben,
Mein ganzes Herz in Deines einzuschließen,

Nur Du allein, mein Gott, aus dessen sieben
Heiligen Wunden Ströme Blutes fließen,
Bloß weil Du gingst, für uns es auszugießen –
Dafür ist Dir am Kreuz nur Schmach geblieben -,

Nur Du allein bewegst so sehr mein Lieben,
Daß ich Dich liebte, stünd kein Himmel offen,
Und wär auch keine Rettung mehr zu hoffen,

Erwidertest Du all mein Flehn mit Hieben,
Hätt‘ nie ein Strahl der Gnade mich getroffen:
Auch dann laß, Gott, mein Herz in Deins zerstieben.

Quelle: Walther Tritsch (Hrsg.), Christliche Geisteswelt – Band II: Die Welt der Mystik, Hanau 1986, S. 257

Das Sonett an Christus den Gekreuzigten ist von einem anonymen Autor verfasst, wird aber oft der hl. Theresia von Avila zugeschrieben.

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Das freiwillige tägliche Gebet der Skapulierträger

O allerseligste, unbefleckte Jungfrau Maria, Zierde und Glanz des Karmels: du blickst mit besonders gütigem Auge auf jene, die mit deinem gesegneten Skapulier bekleidet sind. Blicke gnädig auch auf mich und umhülle mich mit dem Mantel deines mütterlichen Schutzes. Stärke meine Schwäche mit deiner Macht, erleuchte die Finsternisse meines Geistes mit deiner Weisheit, vermehre in mir den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Schmücke meine Seele mit solchen Gnaden und Tugenden, dass sie deinem göttlichen Sohne und dir stets lieb und teuer sei. Stehe mir bei im Leben, tröste mich im Tode mit deiner liebevollen Gegenwart und stelle mich dann als dein Kind der Heiligsten Dreifaltigkeit vor, um sie mit dir im Himmel ewig zu loben und zu preisen. Amen.